VW T5: Dieser Turbo ist tot

Der völlig zerstörte Turbolader eines VW BUS T5 landet eines Tages in der Werkstatt der TurboTwins Walter und Manfred Müllberger in Wien-Simmering. Kfz-Techniker hatten die Spezialisten um Hilfe gebeten, da sie die Ursache des Schadens selbst nicht finden konnten.

Der Kleintransporter Volkswagen T5, ca. zwölf Jahre alt mit rund 150.000 Kilometern auf dem Buckel, erleidet plötzlich einen markanten Leistungsverlust und wird in die Werkstatt geschleppt. Die Motorsteuerung hat das System in den Notbetrieb geschaltet, um der komplett en Zerstörung des 2,5-Liter-Dieselaggregates vorzubeugen. Das Fahrzeug wird an das Diagnosegerät angeschlossen, und schnell ist der Turbolader als Übeltäter ausgemacht. Eine Routineangelegenheit, glauben die Kfz-Techniker, und tauschen das empfi ndliche Hochleistungsbauteil der Marke Garrett aus. Danach scheint alles in Ordnung zu sein, der Motor läuft wieder einwandfrei. Drei Monate später schaltet der VW-Bus allerdings wieder aus heiterem Himmel in den Notlauf, was einen neuerlichen Werkstatt besuch unvermeidlich macht. Ein Diagnosekrimi beginnt.

    Wenn Wasser, Korrosionsrückstände und Kühlflüssigkeit in den Abgasstrom gelangen, bilden sich Ablagerungen, die den Verstellmechanismus eines VTG-Turboladers lahmlegen können.
    Wenn Wasser, Korrosionsrückstände und Kühlflüssigkeit in den Abgasstrom gelangen, bilden sich Ablagerungen, die den Verstellmechanismus eines VTG-Turboladers lahmlegen können.

    Die Fehlersuche im Detail

    • Die Werkstatt stellt neuerlich einen Defekt des Turboladers fest und macht sich auf die Suche nach möglichen Ursachen.
    • Die Überprüfung des Turboladerumfeldes inklusive Ladedruckregelventil, sämtlicher Unterdruckschläuche, Luftleitungen und des Ladeluftkühlers bringt kein Ergebnis.
    • Der Turbolader wird ausgebaut und zwecks Analyse zu den Turbospezialisten Walter und Manfred Müllberger geschickt.
    • In der Werkstatt der TurboTwins wird der Garrett-Lader auseinandergenommen. Diagnose: Die variable Turbinengeometrie VTG steckt fest. Die Leitschaufeln im Abgasstrom sind mit einem weißgrauen Belag überzogen, der den Verstell-Mechanismus des Turboladers blockiert.
    • Zwischenresümee: Durch das Versagen der VTG steigt der Ladedruck zu stark an, sodass das Motorsteuergerät in das Notlaufprogramm schaltet, um einen Motorschaden zu verhindern.
    • Nach eingehender Suche wird am wassergekühlten Abgasrückführungsventil eine undichte Stelle gefunden und damit auch die Ursache des Defektes: Durch den Kühlflüssigkeitsverlust des AGR-Ventils kommt es zu den Ablagerungen im Turbolader, die den Verstell-Mechanismus blockieren.
    • Fazit: Nachdem sowohl der Turbolader als auch das AGR-Ventil getauscht sind, ist der Fehler behoben, der Fall gelöst.
    Die verstellbaren leitschaufeln eines VTG-Laders sind mit ihren Wellen auf einem Trägerring befestigt. Auf der Rückseite des Trägerrings haben die Wellen der Leitschaufeln einen Führungszapfen, der in einen Verstellring greift. Alle Leitschaufeln werden gleichzeitig von einem Stellmotor oder durch eine Unterdruckdose über den Verstellring verdreht. Ablagerungen können den sensiblen Mechanismus blockieren.
    Die verstellbaren leitschaufeln eines VTG-Laders sind mit ihren Wellen auf einem Trägerring befestigt. Auf der Rückseite des Trägerrings haben die Wellen der Leitschaufeln einen Führungszapfen, der in einen Verstellring greift. Alle Leitschaufeln werden gleichzeitig von einem Stellmotor oder durch eine Unterdruckdose über den Verstellring verdreht. Ablagerungen können den sensiblen Mechanismus blockieren.

    KOMPLEXE DIESELREINIGUNG

    Bei Dieselmotoren ist die Abgasrückführung eine der wichtigsten Maßnahmen zur Senkung der Stickoxidemissionen. Das Abgas wird aus dem Abgastrakt entnommen und über eine Leitung, einen Kühler und ein Ventil dem Ansaugtrakt zugeführt. Das AGR-Ventil ist dabei hohen thermischen Belastungen ausgesetzt und daher stark verschleiß gefährdet. Liest man die Internet-Foreneinträge zum Thema, gewinnt man den Eindruck, dass Schäden am AGR-Ventil auch bei jüngeren Dieselfahrzeugen durchaus keine Seltenheit sind. Viele Betroffene sehen die Hersteller in der Pflicht, die Reparaturkosten in diesem Zusammenhang auf dem Kulanzweg zu übernehmen. Denn der Austausch des Ventils ist offenbar keine Dauerlösung des Problems – häufig tritt der Defekt nach einiger Zeit wieder auf. Bleibt nur zu hoffen, dass die Motorenentwickler aus ihren Fehlern lernen und die Ventile wenigstens bei der nächsten Motorengeneration etwas robuster gestalten.