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© Illustration: Cecile M. Lederer | butjabutja.com

Sich mit den Grünen trauen

12.02.2020

WOLFGANG DYTRICH, Vorsitzender im Fachausschuss Ersatzteile im Bundesgremium des Fahrzeughandels, schmiedete gemeinsam mit den Grünen einen Notfallplan, um die Position seines Berufszweigs in der WKO zu stärken.

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Wir haben das Gefühl bekommen, dass in der WKO Wien die Arbeit für die Betriebe des freien Ersatzteilehandels nicht mehr erwünscht ist und dass die Fusionsvereinbarung mit dem Fahrzeughandel als ungültig betrachtet wird“, erklärt Wolfgang Dytrich, Vorsitzender im Fachausschuss Ersatzteile im Bundesgremium des Fahrzeughandels. Blick zurück: Die anlässlich der Kammerreform 2010 abgeschlossene Fusionsvereinbarung zwischen dem Gremium des Großhandels mit Kfz Teilen und dem Gremium des Fahrzeughandels sei im Jahr 2015 ausgelaufen. Dies stimme laut Dytrich so nicht, zumal es nicht im Vertrag stehen würde (Fusionsvereinbarung zwischen dem Landesgremium Wien des Fahrzeughandels und dem Landesgremium Wien für den Großhandel mit Kraftfahrzeug-Teilen und Serviceeinrichtungen). „Der derzeitige Obmann des Fahrzeughandels versucht, den Vertrag und den Berufszweig aufzulösen - dies konnten wir bisher in einer Kampfabstimmung im Wiener Gremium des Fahrzeughandels verhindern“, so Dytrich.

TEAM KFZ TEILE

Doch da für die Kammerwahl (2. bis 5. März 2020) die Listenplätze für den Teilehandel reduziert wurden, befürchtete Dytrich, dass es nach der Wahl 2020 keinen Berufszweig Ersatzteile mehr geben werde und damit keine Stimme mehr in der WKO für die mehr als 3000 Teilehändler in ganz Österreich. Dytrich und seine Mitstreiter treten daher mit einer eigenen Liste, dem „Team Kfz Teile“ zur Wiener Kammerwahl an. Unterstützung erhalten sie von unerwarteter Seite. „Lachen Sie nicht“, so Dytrich bei einer Pressekonferenz, „aber unser Anliegen wird von den Grünen, konkret von Gemeinderat Hans Arsenovic unterstützt, obwohl wir mehrheitlich dem Wirtschaft sbund angehören.“ Arsenovic ist Gründer und Geschäft sführer der Sonnenstudio- und Kosmetikkett e „Sun Company“. Er ist seit 2005 Sprecher der Grünen Wirtschaft Wien und in der Wirtschaft skammer Wien seit 2015 Vizepräsident und Spartenvertreter der Sparte Handel. Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung zwischen der türkisen ÖVP und den Grünen verhandelte er in der Hauptgruppe Wirtschaft und Finanzen.

„Lachen Sie nicht, aber unser Anliegen wird von den Grünen unterstützt obwohl wir mehrheitlich dem Wirtschaft sbund angehören.“ WOLFGANG DYTRICH, VORSITZENDER IM FACHAUSSCHUSS ERSATZTEILE IM BG DES FAHRZEUGHANDELS

UMWELTFREUNDLICHES REPARIEREN

Der Hintergrund, so Dytrich: „Nach der grünen Philosophie ist die Reparatur bestehender Fahrzeuge umweltfreundlicher als der Kauf von Neuwagen – das trifft sich gut mit unserem Geschäft smodell.“ Laut Dytrich vertrete der Berufszweig Ersatzteile in der WKO nicht nur die 363 Ersatzteilehändler in Wien, sondern auch – mit Unterstützung des Bundesgremiums Fahrzeughandel – die mehr als 3.000 Teilehändler österreichweit. Hans Arsenovic – Sprecher der Grünen Wirtschaft Wien – hat Verständnis für die Sorgen der freien Teilehändler und ermöglicht Wolfgang Dytrich und seinem Team (Vertreter von Stahlgruber, Birner, Carparts und GKN) nun das Antreten zur Wahl im März. Das Agreement mit Grün sei unkompliziert von statt en gegangen: „Du kannst bei mir andocken. Du musst nicht grünes Parteimitglied werden“, habe Arsenovic gesagt. Tatsache ist, Wolfgang Dytrich will nach der Wahl – denn dann zieht er selbst sich zurück – einen „funktionierenden Berufszweig“ übergeben. Walter Birner steht bekanntlich als Nachfolger nun doch nicht wie geplant zur Verfügung. Dytrichs Nachfolge wird der Branchenprofi Andreas Rappolt antreten. Wird der Deal mit den Grünen, das Antreten des Team Kfz Teile unter grünem Dach Unternehmer aus dem Bereich Kfz abschrecken? Dytrich verweist auf den von ihm sogenannten Notfallplan, der letztlich das Überleben des freien Teilehandels in der Wirtschaft skammer sichern soll und betont seine „Farbenblindheit“, wenn es um die Vertretung der Interessen des freien Teilehandels geht.

Autor: 
Wolfgang Bauer
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